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  • Künstliche Intelligenz & Recht

    15.01.2026

    Rechtliche Entwicklungen und Risiken

    Stand Januar 2026

    Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) ist inzwischen fester Bestandteil unternehmerischer, medialer und kreativer Prozesse. Parallel dazu nimmt die rechtliche Relevanz des Themas deutlich zu. Aktuelle Gerichtsentscheidungen zeigen, dass KI-Nutzung erhebliche urheberrechtliche, persönlichkeitsrechtliche, datenschutzrechtliche und haftungsrechtliche Risiken mit sich bringt.

    Urheberrechtliche Risiken bei der KI-Nutzung

    Der Einsatz von KI-Systemen ist rechtlich nur dann zulässig, wenn ausschließlich eigene Inhalte oder Inhalte verwendet werden, für die eine ausreichende Lizenz besteht. In der Praxis entstehen besondere Risiken durch sogenannte Memorisationseffekte. KI-Modelle können urheberrechtlich geschützte Texte, Bilder oder Programmiercode wörtlich oder in wesentlichen Teilen wiedergeben. Wird ein solcher Output weiterverbreitet oder kommerziell genutzt, kann dies zu einer Urheberrechtsverletzung führen.

    Besonders risikobehaftet ist der KI-Einsatz im Journalismus, wie unter anderem die Klage der New York Times gegen einen KI-Anbieter zeigt. Auch im Bereich der Werbetexte, im Grafik- und Designbereich sowie bei der Programmierung bestehen erhebliche Gefahren, da urheberrechtlich relevante Übernahmen häufig schwer erkennbar sind.

    Unternehmen sollten daher klare organisatorische Maßnahmen ergreifen. Dazu gehört die Einführung verbindlicher KI-Richtlinien, die Sensibilisierung und Schulung der Mitarbeitenden sowie eine verpflichtende Endkontrolle von KI-generierten Inhalten in risikoreichen Bereichen. Ergänzend empfiehlt sich die Einführung eines Vier-Augen-Prinzips, um Rechtsverletzungen frühzeitig zu vermeiden.

    Persönlichkeitsrecht und Voice Cloning

    (LG Berlin II, Urt. v. 20.08.2025 – 2 O 202/ 24 „KI-Stimme“ (Berufung anhängig)

    Das Landgericht Berlin hat entschieden, dass auch die Stimme als Ausfluss des allgemeinen Persönlichkeitsrechts rechtlich geschützt ist. In dem zugrunde liegenden Fall klagte ein bekannter Synchronsprecher, der unter anderem als deutsche Stimme von Bruce Willis und Kurt Russell bekannt ist, gegen einen YouTube-Kanal mit rund 190.000 Abonnenten. Der Kanal nutzte KI-Software zur Stimmerzeugung, ohne die Zustimmung des Sprechers einzuholen, und veröffentlichte politisch rechtsgerichtete Inhalte. In den Kommentaren erkannten zahlreiche Nutzer die Stimme eindeutig wieder.

    Das Gericht stellte klar, dass bereits eine Zuordnungsverwirrung beim Publikum ausreicht, um eine Persönlichkeitsrechtsverletzung anzunehmen. Eine vollständige Identitätsübernahme sei nicht erforderlich. Dem Kläger wurde ein Schadensersatz in Höhe von 2.000 Euro pro veröffentlichter Audiodatei zugesprochen.

    Die Entscheidung reiht sich in eine internationale Entwicklung ein. Bereits 2023 führten KI-bezogene Streitigkeiten zu monatelangen Streiks der US-Schauspielergewerkschaft. In Deutschland wurden Ende 2024 erstmals Tarifverträge mit expliziten KI-Regelungen abgeschlossen. Besonders im Games-Bereich und bei der Lokalisierung von Inhalten gewinnt das Thema zunehmend an Bedeutung.

    Datenschutz und KI-Training

    (OLG Köln – Meta Beschl. Vo. 23.05.2025, Az. 15 Ukl. 2725)

    Das Oberlandesgericht Köln hatte über die Frage zu entscheiden, ob Meta öffentlich zugängliche Inhalte von Facebook und Instagram für das Training eigener KI-Modelle verwenden darf. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hatte gegen dieses Vorhaben geklagt, blieb jedoch erfolglos. Das Gericht verneinte sowohl einen kartellrechtlichen Verstoß als auch einen datenschutzrechtlichen Verstoß und erkannte ein berechtigtes Interesse im Sinne von Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO an.

    Nach Auffassung des Gerichts verarbeitete Meta ausschließlich Inhalte, die für andere Nutzer öffentlich sichtbar waren. Die betroffenen Personen hätten diese Daten bewusst öffentlich zugänglich gemacht. Zudem habe Meta die Nutzer vorab informiert und eine Widerspruchsmöglichkeit eingeräumt. Das Argument, es würden gezielt Gesundheitsdaten verarbeitet, wies das Gericht zurück, da keine gezielte Suche nach sensiblen Informationen erfolge und die bloße Verarbeitung großer Datenmengen datenschutzrechtlich nicht per se unzulässig sei.

    Praktisch bedeutet diese Entscheidung, dass Social-Media-Inhalte rechtlich weitgehend als öffentlich anzusehen sind. Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass viele internationale KI-Anbieter ihre Modelle ohne vergleichbare europäische Schutzmechanismen trainieren. KI-Technologien erweitern die Möglichkeiten des Zugriffs, der Verknüpfung und der Analyse von Daten erheblich.

    Haftung für „halluzinierende“ KI

    (LG Hamburg – Grok Beschl. Az.324 O 461/25)

    Das Landgericht Hamburg hatte sich mit der Haftung für fehlerhafte KI-Aussagen zu befassen. In dem Verfahren klagte Campact e. V. gegen den KI-Bot „Grok“, der auf der Plattform X betrieben wird. Der Bot hatte fälschlich behauptet, Campact erhalte erhebliche finanzielle Mittel aus dem Bundeshaushalt.

    Das Gericht wendete die Grundsätze der Störerhaftung an und ging davon aus, dass sich der Betreiber die Aussagen der KI zu eigen mache. Daraus folge ein verschuldensunabhängiger Unterlassungsanspruch. Die Entscheidung fiel im Eilverfahren und enthält lediglich eine sehr knappe Begründung, ohne eine differenzierte Auseinandersetzung mit KI-spezifischen Besonderheiten. Auch die praktische Umsetzbarkeit der Anforderungen an Betreiber bleibt offen.

    Für Anbieter von KI-Systemen ergeben sich daraus erhebliche Konsequenzen. Erforderlich sind mehrstufige Kontroll- und Freigabeprozesse sowie technische Maßnahmen wie Content-Filter oder eine stärkere Quellenverifikation. Zusätzlich kann der Abschluss eines Versicherungsschutzes sinnvoll sein. Aktuelle Vorfälle, etwa die Generierung sexualisierter Darstellungen von Kindern durch KI-Systeme oder KI-basierte Werbeempfehlungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ohne Sendungsbezug, verdeutlichen den bestehenden Handlungsbedarf.

    Fazit

    Künstliche Intelligenz eröffnet erhebliche wirtschaftliche und kreative Potenziale, bewegt sich rechtlich jedoch keineswegs in einem rechtsfreien Raum. Unternehmen, Plattformbetreiber und Kreative sollten frühzeitig klare Governance-Strukturen, juristische Prüfprozesse und technische Sicherungsmechanismen etablieren, um Haftungsrisiken und Reputationsschäden zu vermeiden.

  • KI-Verordnung in der Praxis: unser AI Act Quick Check als unternehmerische Stütze

    05.01.2026

    Die EU-KI-Verordnung ((EU) 2024/1689) ist seit August 2024 in Kraft – und viele Unternehmen stehen vor derselben Frage:

    Betrifft uns das überhaupt? Und wenn ja: Was müssen wir konkret tun?

    Genau hier setzen wir an. Wir übersetzen komplexe KI-Regulierung in klare, umsetzbare Handlungsschritte für dein Unternehmen. Keine theoretischen Gutachten, sondern praxisnahe Entscheidungsgrundlagen.

    Unser AI Act Quick Check haben wir speziell für Unternehmen entwickelt, die rechtssicher KI-Tools nutzen oder auch anbieten wollen.

    Nun wollen wir mal herausfinden, ob dein Unternehmen unter die Vorschriften der KI Verordnung fallen.

    Wer fällt unter die KI-Verordnung?

    Die KI-Verordnung gilt für deutlich mehr Unternehmen, als viele zunächst denken. Betroffen bist du, wenn du:

    • KI-Systeme entwickelst oder bereitstellst (auch wenn du selbst nicht als „Tech-Unternehmen“ auftrittst)
    • KI-Systeme unter eigenem Namen in Verkehr bringst (z.B. White-Label-Lösungen)
    • KI-Systeme geschäftlich nutzst – etwa in HR, Kundenservice, Produktion oder Marketing
    • KI-Systeme importierst oder vertreibst

    Entscheidend ist: Auch die bloße Nutzung von KI kann dich zum Adressaten der Verordnung machen – insbesondere bei Hochrisiko-Anwendungen.

    Typische Beispiele aus der Praxis:

    • Mittelständische Produktionsbetriebe mit KI-gestützter Qualitätskontrolle
    • Personaldienstleister, die KI-basierte Bewerbungsscreenings einsetzen
    • Online-Händler mit KI-gesteuerten Empfehlungssystemen
    • Unternehmen, die Chatbots im Kundenservice verwenden
    • Firmen, die KI für Bonitätsprüfungen oder Vertragsanalysen nutzen

    Die vier Risikokategorien: Deine Pflichten auf einen Blick

    Die KI-Verordnung arbeitet mit einem risikobasierten Ansatz. Je höher das Risiko, desto strenger die Anforderungen:

    1. Verbotene KI-Systeme (Art. 5 AI Act)

    Verbotene KI-Systemen nutzt du eher unwahrscheinlich in deinem Unternehmen. Darunter fällt die KI-Nutzung, die folgende Zwecke verfolgt: z.B. Social Scoring durch Behörden, biometrische Echtzeit-Fernidentifikation im öffentlichen Raum (mit Ausnahmen), manipulative Techniken, die Schaden verursachen oder Ausnutzung von Schutzbedürftigkeit.

    Deine Pflicht, solltest du tatsächlich mit deinem Unternehmen solche Zwecke bei der KI-Nutzung verfolgen: Sofortige Einstellung solcher Systeme. Bußgelder bis zu 35 Mio. EUR oder 7% des weltweiten Jahresumsatzes.

    2. Hochrisiko-KI-Systeme (Art. 6, Anhang III)

    Hochrisiko KI-Systeme kommen schon eher in der Praxis vor. Da müsstest du auf die KI-Nutzungen und ihre Zwecke in deinem Unternehmen genauer schauen.

    Typische Anwendungsfälle:

    • Personalauswahl und Mitarbeiterüberwachung
    • Zugang zu Bildung und Berufsbildung
    • Kreditwürdigkeitsprüfungen
    • Biometrische Identifikation
    • Kritische Infrastruktur
    • Notfalleinsätze

    Must-have To-dos:

    • Risikomanagementsystem einrichten (Art. 9)
    • Datengovernance sicherstellen – Trainings- und Testdaten dokumentieren (Art. 10)
    • Technische Dokumentation erstellen und pflegen (Art. 11)
    • Automatische Protokollierung implementieren (Art. 12)
    • Transparenz schaffen – Nutzer müssen informiert werden (Art. 13)
    • Menschliche Aufsicht gewährleisten (Art. 14)
    • Konformitätsbewertung durchführen (Art. 43)
    • CE-Kennzeichnung anbringen (Art. 49)
    • EU-Konformitätserklärung ausstellen

    Zeitachse: Vollständige Anwendbarkeit ab 2. August 2026

    Bußgeldrisiko: Bis zu 15 Mio. EUR oder 3% des Jahresumsatzes

    3. KI mit begrenztem Risiko (Art. 50)

    Solche Systemen finden sich mittlerweile in sehr vielen Unternehmen. Sie betreffen vor allem Chatbots und Conversational AI, Emotionserkennungssysteme, Deepfakes und synthetische Inhalte.

    Must-have To-dos:

    Transparenzpflichten erfüllen – Nutzer müssen wissen, dass sie mit KI interagieren
    Bei synthetischen Inhalten: Kennzeichnungspflicht
    Dokumentation der Nutzungsbedingungen

    Zeitachse: Größtenteils bereits ab 2. Februar 2025 anwendbar

    4. Minimales Risiko

    Die meisten KI-Anwendungen fallen in diese Kategorie – etwa einfache Spam-Filter oder Empfehlungssysteme ohne sensible Entscheidungen.

    Pflichten: Weitgehend freiwillige Verhaltenskodizes (Art. 95)

    Mehr zu den KI-Systemen haben wir in unserem Artikel „Was ist ein KI-System? „

    Dein konkreter Fahrplan: Der AI Act Quick Check

    Viele Unternehmen wissen nicht, wo sie stehen. Genau dafür haben wir den AI Act Quick Check entwickelt.

    Was du bekommst:

    1. Bestandsaufnahme deiner KI-Nutzung
    Wir identifizieren gemeinsam, wo in deinem Unternehmen KI-Systeme zum Einsatz kommen – oft mehr, als auf den ersten Blick ersichtlich.

    2. Klare Risikoeinstufung
    Jeder Use Case wird präzise kategorisiert:

    • Verboten? → Sofortmaßnahmen erforderlich
    • Hochrisiko? → Compliance-Roadmap notwendig
    • Begrenztes Risiko? → Transparenzpflichten beachten
    • Minimales Risiko? → Keine unmittelbaren Pflichten

    3. Konkrete Handlungsempfehlungen
    Für jeden identifizierten Anwendungsfall bekommst du

    • die relevanten Pflichten und Risiken im Überblick
    • Priorisierung nach Dringlichkeit

    4. Ergebnis-Memo
    Kompakt aufbereitet für deine Geschäftsführung – keine 50-seitigen Gutachten, sondern handlungsorientierte Entscheidungsvorlagen.

    AI Act Quick Check

    Warum gerade jetzt handeln?

    • 2. Februar 2025: Verbotene KI-Systeme müssen eingestellt sein
    • 2. August 2025: Erste Pflichten für Hochrisiko-Systeme greifen
    • 2. August 2026: Vollständige Anwendbarkeit der Hochrisiko-Anforderungen
    • 2. August 2027: Auch bestehende Hochrisiko-Systeme müssen compliant sein

    Unternehmen, die jetzt die Weichen stellen, vermeiden:

    • Hohe Bußgelder und Reputationsschäden
    • Hektische Last-Minute-Maßnahmen
    • Wettbewerbsnachteile gegenüber regulierungskonformen Mitbewerbern

    Für wen ist der AI Act Quick Check ideal?

    • Mittelständische Unternehmen, die KI nutzen, aber keine eigene Rechtsabteilung haben
    • Geschäftsführungen, die schnell Entscheidungssicherheit brauchen
    • Unternehmen in der Digitalisierung, die ihre KI-Strategie absichern wollen
    • Alle, die wissen wollen: Sind wir betroffen – und wenn ja, wie sehr?

    Der Unterschied zu IT-Beratern

    IT-Berater können Ihnen Systeme implementieren. Wir übersetzen die rechtlichen Anforderungen in technische und organisatorische Maßnahmen – und umgekehrt. Wir sprechen beide Sprachen: Jura und Business.

    Aus Unsicherheit wird Handlungsfähigkeit

    Die KI-Verordnung mag komplex sein – deine Antwort darauf muss es nicht sein. Mit dem AI Act Quick Check erhältst du in kurzer Zeit die Klarheit, die du für fundierte unternehmerische Entscheidungen brauchst.

    Lassen Sie uns gemeinsam aus regulatorischer Unsicherheit unternehmerische Klarheit machen. Buche jetzt einen ersten Termin über Calendly.

    Achtung, nicht nur DSGVO überschneidet sich stark mit der KI-Verordnung. Hier lernst du, dass auch Cyber Resilience Act einen Einfluss auf dein Unternehmen haben könnte – unser Artikel „CRA vs AI-Act: Ein Leitfaden zur regulatorischen Überschneidung„.

  • Cybersicherheit neu geregelt: NIS-2 startet in Deutschland

    08.12.2025

    Am 5. Dezember 2025 wurde das Gesetz zur Integration der NIS-2-Richtlinie sowie zur Festlegung grundlegender Standards für das Informationssicherheitsmanagement innerhalb der Bundesverwaltung offiziell verkündet. Bereits einen Tag später, am 6. Dezember, erfolgt das Inkrafttreten dieser tiefgreifenden Reform des deutschen Cybersicherheitsrechts. Die neuen Regelungen verschärfen die Sicherheitsanforderungen sowohl für Behörden des Bundes als auch für zahlreiche privatwirtschaftliche Organisationen.

    Organisationen sind eigenverantwortlich dazu angehalten, zu evaluieren, ob sie unter den Geltungsbereich der NIS-2-Richtlinie fallen.

    Damit werden sie möglicherweise Teil der künftig etwa 29.500 Einrichtungen, die der Aufsicht des BSI unterliegen und für die neue IT-Sicherheitsverpflichtungen bestehen. Bisher unterlagen lediglich rund 4.500 Organisationen den Regelungen des BSI-Gesetzes – darunter insbesondere KRITIS-Betreiber, Diensteanbieter im digitalen Sektor (DSP) sowie Organisationen von besonderem öffentlichem Interesse (UBI).

    Durch das NIS-2-Umsetzungsgesetz erfährt der Anwendungsbereich des BSIG (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) eine erhebliche Ausweitung: Organisationen, die in spezifischen Branchen operieren und dabei die gesetzlich definierten Schwellenwerte hinsichtlich Beschäftigtenzahl, Jahresumsatz und Bilanzsumme erreichen, werden zukünftig den neuen Klassifizierungen „wichtige Einrichtungen“ sowie „besonders wichtige Einrichtungen“ zugeordnet.

    Wann ist Ihr Unternehmen betroffen?

    Ein Unternehmen unterliegt der NIS-2-Regelung, wenn zwei Voraussetzungen gleichzeitig erfüllt sind: Erstens muss es in einem der in § 28 sowie in Anlage 1 des NIS-2-Umsetzungsgesetzes definierten Sektoren tätig sein. 

    Zweitens muss es bestimmte Größenschwellenwerte erreichen oder überschreiten.

    Die Größenschwellenwerte orientieren sich an der EU-Empfehlung für die Definition von Kleinstunternehmen sowie kleinen und mittleren Unternehmen. Ein Unternehmen gilt als mittelgroß und fällt damit unter NIS-2, wenn es mindestens 50 Beschäftigte hat oder einen Jahresumsatz beziehungsweise eine Jahresbilanzsumme von mindestens 10 Millionen Euro aufweist. Dabei genügt es, wenn eines dieser beiden finanziellen Kriterien erfüllt ist.

    Unternehmen, die diese Schwellenwerte nicht erreichen, fallen grundsätzlich nicht unter die NIS-2-Pflichten. Allerdings gibt es Ausnahmen für besonders kritische Bereiche. KRITIS-Betreiber sind unabhängig von ihrer Größe immer als besonders wichtige Einrichtungen einzustufen. Auch bestimmte Anbieter digitaler Dienste können unabhängig von Schwellenwerten erfasst werden, wenn ihre Dienste für die Gesellschaft oder Wirtschaft besonders relevant sind.

    Betroffene Sektoren und Anbieter

    Die neuen Regelungen erfassen unter anderem Betreiber von Online-Marktplätzen. Darüber hinaus fallen folgende Anbieter in den Anwendungsbereich: DNS-Dienstleister, TLD-Namenregister, Cloud-Computing-Anbieter, Rechenzentrumsdienstleister, Betreiber von Content-Delivery-Networks, Managed-Service-Provider, Managed-Security-Service-Provider, Suchmaschinenanbieter, Social-Media-Plattformen sowie Vertrauensdiensteanbieter.

    Mittelbare Betroffenheit von Softwareanbietern

    Softwareanbieter, die Lösungen an NIS-2-regulierte Unternehmen liefern, sollten den neuen Vorschriften ebenfalls besondere Aufmerksamkeit schenken. Obwohl sie möglicherweise nicht selbst direkt unter die NIS-2-Richtlinie fallen, können sie als integraler Bestandteil beispielsweise eines KRITIS-Unternehmens relevant werden. In diesem Kontext werden sie bei Audits oder der Bewertung der Risikolage der regulierten Einrichtung in Betracht gezogen. Für diesen Fall ist es erforderlich, dass auch Softwareanbieter sämtliche relevanten Dokumentationen und Nachweise bereithalten können.

    Zentrale Verpflichtungen für betroffene Unternehmen

    Die betroffenen Organisationen müssen drei Hauptverpflichtungen erfüllen:

    Registrierungspflicht: Eine gesetzliche Verpflichtung zur Registrierung als NIS-2-regulierte Organisation besteht.

    Meldepflicht: Signifikante IT-Sicherheitsvorfälle müssen dem BSI gemeldet werden.

    Risikomanagement: Die Implementierung sowie Dokumentation von Maßnahmen zum Risikomanagement ist erforderlich.

    Betreiber Kritischer Infrastrukturen werden automatisch der Kategorie „besonders wichtige Einrichtungen“ zugeordnet.

    Registrierungsprozess: Besondere Bedeutung der BSI-Portal-Anmeldung

    Das BSI führt für NIS-2-pflichtige Organisationen mit deutscher Steuernummer ein zweistufiges Registrierungsverfahren ein. Zunächst müssen sich Unternehmen über „Mein Unternehmenskonto“ (MUK) anmelden. Dieses dient als zentrales Nutzerkonto für digitale Verwaltungsdienste und basiert technisch auf ELSTER. Bestehende ELSTER-Zertifikate können dafür genutzt werden.

    Das BSI empfiehlt, die Registrierung im MUK bis Ende 2025 abzuschließen. Ab Januar 2026 erfolgt dann die Anmeldung im neuen BSI-Portal, das am 6. Januar 2026 startet. Über dieses Portal werden künftig unter anderem relevante Sicherheitsvorfälle gemeldet. Bis zur Registrierung im BSI-Portal können Vorfälle über ein Online-Formular gemeldet werden. KRITIS-Betreiber und Bundesbehörden nutzen weiterhin ihre bisherigen Meldewege.

    Definition erheblicher Sicherheitsvorfälle

    Ein erheblicher Sicherheitsvorfall liegt nach dem BSI-Gesetz vor, wenn ein Ereignis den Betrieb oder die Finanzen einer Organisation erheblich stört oder schädigt – oder wenn dadurch andere Personen erheblich materiell oder immateriell beeinträchtigt werden können (§ 2 Nr. 11 BSIG).

    Für bestimmte digitale Dienste (z. B. Cloud-Anbieter, Rechenzentren, Online-Marktplätze, Suchmaschinen, soziale Netzwerke, Managed Service Provider) gilt zusätzlich die EU-Verordnung 2024/2690. Danach ist ein Vorfall insbesondere dann erheblich, wenn zum Beispiel:

    • ein finanzieller Schaden von über 500.000 Euro oder 5 % des Jahresumsatzes droht oder entsteht,
    • Geschäftsgeheimnisse abfließen,
    • Menschen sterben oder schwer verletzt werden,
    • ein erfolgreicher, böswilliger Hackerangriff mit gravierenden Betriebsstörungen stattfindet,
    • oder weitere in der Verordnung konkret benannte Auswirkungen eintreten.

    Geplante Wartungen und angekündigte Ausfälle gelten ausdrücklich nicht als erhebliche Sicherheitsvorfälle.

    Was Unternehmen jetzt tun sollten

    Unternehmen sollten zunächst prüfen, ob sie unter die NIS-2-Richtlinie fallen. Dann sollten sie sich noch 2025 bei „Mein Unternehmenskonto“ registrieren. Die Registrierung im BSI-Portal sollte ab dem 6. Januar 2026 vorbereitet werden. Parallel dazu müssen Unternehmen Risikomanagementmaßnahmen implementieren und alle getroffenen Maßnahmen sorgfältig dokumentieren. Außerdem müssen sie sicherstellen, dass sie Sicherheitsvorfälle erkennen und ordnungsgemäß melden können.

    Weitere Informationen finden Sie auf der Website des BSI.

    Wir stehen Dir bei der Umsetzung der neuen NIS2-Anforderungen zur Seite:

    • Prüfung der Anwendbarkeit: Wir prüfen, ob Dein Unternehmen unter die NIS2-Richtlinie fällt.
    • Gap-Analyse: Vergleich zwischen dem aktuellen Sicherheitsniveau und den Anforderungen von NIS2.
    • Umsetzungsfahrplan: Entwicklung eines konkreten Plans mit Prioritäten, Maßnahmen und Zeitrahmen.
    • Schulungen: Workshops für Management und Mitarbeitende zu NIS2-Pflichten und Meldeprozessen.
    Jetzt kostenlose Erstberatung buchen

  • Compliance Essentials für Gründer:innen

    19.10.2025

    Ein Unternehmen im Jahr 2025 aufzubauen bedeutet, von Anfang an auf Vertrauen zu setzen. Gründer:innen, die Datenschutz, Sicherheit und KI-Governance als zentrale Produktmerkmale begreifen, wachsen schneller, vermeiden teure Nachbesserungen und schaffen Vertrauen bei Investor:innen.

    Dieser Artikel fasst unsere Masterclass zu einem praxisnahen Leitfaden zusammen, den du sofort umsetzen kannst.

    Warum Compliance wichtig ist

    Compliance = Vertrauen + Glaubwürdigkeit + Skalierbarkeit

    Compliance ist keine Bürokratie – sie ist deine Wachstumsstrategie. Investor:innen, Partner und Kund:innen erwarten von Anfang an Transparenz, Verantwortlichkeit und Bereitschaft. Wer früh die Grundlagen legt, vermeidet teure Korrekturen und Verzögerungen in der Produktentwicklung.

    Sanktionen und Geschäftsrisiken

    Das Verständnis der Risiken mangelnder Compliance ist für Gründer:innen entscheidend. Regulatorische Rahmenwerke wie die DSGVO und der EU AI Act sollen Individuen schützen und verantwortungsvolle Innovation fördern – Verstöße können jedoch teuer werden. Neben finanziellen Strafen drohen Reputationsverluste, Produktverzögerungen und Vertrauensverlust bei Investor:innen und Kund:innen.

    DSGVO: Geldbußen bis zu 20 Mio. € oder 4 % des weltweiten Jahresumsatzes. Häufige Auslöser sind Datenmissbrauch, unzureichende Sicherheit und unrechtmäßige Verarbeitung.

    Unzulässiges Marketing: Unerwünschte Werbung kann zu Schadensersatzansprüchen (ca. 5.000 € pro Person) und zusätzlichen Rechtskosten führen.

    EU AI Act: Verstöße gegen Transparenz-, Risiko- oder Data-Governance-Pflichten können Bußgelder bis zu 35 Mio. € oder 7 % des weltweiten Jahresumsatzes nach sich ziehen. Hochrisiko-KI unterliegt den strengsten Regeln.

    Erste Schritte: Dein rechtliches Fundament

    1. Geschäftsmodell prüfen

    Stelle sicher, dass deine Tätigkeit in allen Zielmärkten rechtlich zulässig ist. Prüfe, ob dein Produkt oder Service Lizenzen, Zertifikate oder Genehmigungen benötigt. Kläre außerdem, ob du verpflichtet bist, einen Datenschutzbeauftragten (DPO) zu benennen – das ist bei datengetriebenen oder kundennahen Unternehmen oft erforderlich.

    2. Online-Auftritt rechtssicher gestalten

    Deine Website ist das rechtliche Aushängeschild deines Unternehmens. Sie sollte ein vollständiges Impressum, eine verständliche und aktuelle Datenschutzerklärung sowie ein faires Cookie-Banner enthalten. Ergänze klar formulierte AGB und alle Pflichtinformationen für Verbraucher:innen – so schützt du dich und deine Nutzer:innen.

    3. Kund:innen rechtskonform kontaktieren

    Bevor du Newsletter oder Werbe-E-Mails verschickst, kläre, wen du ansprechen darfst und auf welcher Rechtsgrundlage. Marketing muss nicht nur DSGVO-konform sein, sondern auch nationale Anti-Spam- und E-Privacy-Vorschriften beachten. Eine saubere Kommunikationsstrategie stärkt Vertrauen und schützt deine Marke.

    DSGVO-Grundlagen für Startups

    Warum die DSGVO 2025 noch wichtig ist

    Seit Mai 2018 setzt die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) weltweit Maßstäbe für Datenschutz und Rechenschaftspflicht. Sie hat Gesetze von Kalifornien bis Südafrika beeinflusst und prägt, wie Startups weltweit mit personenbezogenen Daten umgehen.

    Für Gründer:innen ist die DSGVO sowohl Pflicht als auch Chance: Richtig umgesetzt wird sie zum Fundament für Vertrauen, Transparenz und Skalierbarkeit – ignoriert man sie, drohen Reputationsschäden, Verzögerungen und hohe Risiken.

    Zentrale Prinzipien der DSGVO

    1. Rechtmäßigkeit: Jede Datenverarbeitung braucht eine gültige Rechtsgrundlage (z. B. Vertrag, Einwilligung oder berechtigtes Interesse).
    2. Fairness & Transparenz: Nutzer:innen müssen verstehen, wie und warum ihre Daten verarbeitet werde
    3. Datenminimierung: Erhebe nur die Daten, die du wirklich brauchst – weniger ist mehr.
    4. Zweckbindung: Verwende Daten nur für den angegebenen Zweck.
    5. Richtigkeit & Speicherbegrenzung: Halte Daten aktuell und lösche sie, wenn sie nicht mehr benötigt werden.
    6. Integrität & Vertraulichkeit: Schütze Daten mit technischen und organisatorischen Sicherheitsmaßnahmen.

    Praktische Schritte zur Umsetzung

    1. Datenflüsse dokumentieren: Welche Daten erhebst du, wo werden sie gespeichert, wer hat Zugriff, wofür werden sie genutzt?
    2. Zugriffsrechte verwalten: Nur Personen mit Bedarf sollten Zugriff auf personenbezogene Daten haben.
    3. Technische Sicherheit stärken: Verschlüsselung, Backups und Notfallpläne sind Pflicht.
    4. Verträge mit Dienstleistern regeln: Schließe Auftragsverarbeitungsverträge (AVV) und prüfe Sicherheitsstandards.
    5. Datenübertragungen absichern: Bei Tools außerhalb der EU Standardvertragsklauseln (SCCs) verwenden und Transfer Impact Assessments durchführen.
    6. Incident Response planen: Bei Datenschutzverletzungen muss die Behörde ggf. binnen 72 Stunden informiert werden.

    Häufige Fehler

    • Veraltete oder unklare Datenschutzerklärungen
    • Zu starke Fokussierung auf Einwilligungen
    • Irreführende Cookie-Banner
    • Überflüssige Formularfelder
    • Unterschätzte kleine Datenschutzvorfälle

    Tipp: Betrachte Datenschutz als Teil deines Produktdesigns – nicht als Nachtrag.

    Die EU-Digitalstrategie: Der größere Rahmen

    Die EU-Digitalstrategie ergänzt die DSGVO und den AI Act und bildet das Rückgrat der europäischen Datenökonomie. Ihr Ziel ist es, Innovation zu fördern, während Fairness, Verantwortung und Widerstandsfähigkeit im Mittelpunkt stehen.

    Für Startups ist sie keine zusätzliche Hürde, sondern ein Fahrplan für nachhaltiges Wachstum in Europa. Sie umfasst Schlüsselinitiativen wie den Data Governance Act, den Digital Markets Act und den Digital Services Act, die klare Regeln für Datenzugang, Plattformen und fairen Wettbewerb schaffen.

    Kurz gesagt: Europa will mutige Innovation aber mit Transparenz, Nutzer:innenschutz und ethischer Datennutzung als Kernprinzipien.

    EU AI Act verstehen

    Der EU Artificial Intelligence Act (AI Act) ist eines der ersten umfassenden Regelwerke für künstliche Intelligenz weltweit. Er gilt für Entwickler:innen, Anbieter:innen und Nutzer:innen von KI-Systemen mit EU-Bezug – auch außerhalb Europas.

    Der AI Act folgt einem risikobasierten Ansatz: Je höher das Risiko für Menschen oder die Gesellschaft, desto strenger die Anforderungen. Niedrigrisiko-Anwendungen unterliegen nur geringen Pflichten, während Hochrisiko-KI (z. B. in Medizin, Personalwesen oder kritischer Infrastruktur) umfassende Dokumentations- und Governancepflichten erfüllen muss.

    Die Umsetzung erfolgt schrittweise, um insbesondere Startups und KMU Zeit zur Anpassung zu geben:

    Zeitplan

    • August 2024: Verordnung tritt in Kraft
    • Februar 2025: Verbot „inakzeptabler“ KI-Systeme (z. B. manipulative oder Social-Scoring-Anwendungen)
    • August 2025: Pflichten zu Governance und Transparenz treten in Kraft
    • 2026–2027: Vollständige Anforderungen für Hochrisiko-KI gelten

    Was Gründer:innen jetzt tun sollten

    1. Prüfe, ob dein Produkt unter den AI Act fällt und welche Rolle du einnimmst (Entwickler:in, Anbieter:in, Nutzer:in).
    2. Bewerte das Risiko deines Systems (minimal, begrenzt, hoch, verboten).
    3. Dokumentiere Daten und Prozesse: Trainingsdaten, Nachvollziehbarkeit und menschliche Kontrolle sind entscheidend.
    4. Sichere Datenqualität: Hochwertige und faire Datensätze vermeiden Diskriminierung und stärken Rechenschaftspflicht.
    5. Integriere KI-Compliance in deine Digitalstrategie – zusammen mit Datenschutz, Ethik und IT-Sicherheit.

    Mach Compliance zu deiner DNA

    Compliance ist kein Hindernis, sondern ein Wettbewerbsvorteil. Startups, die Datenschutz, Sicherheit und Governance ernst nehmen, gewinnen Vertrauen, reduzieren Risiken und überzeugen Investor:innen.

    • Early Stage: Fokus auf Datenschutz, Impressum, NDAs, Cookie-Banner und AGB.
    • Seed Stage: Erweiterung auf Mitarbeitendendatenschutz, Vertragsrahmen und DSGVO-Dokumentation.
    • Growth Stage: Vorbereitung auf internationale Datenübertragungen, AI-Act-Readiness und Due Diligence.

    Wer Compliance in seine DNA integriert, zeigt: Dieses Unternehmen ist reif, vertrauenswürdig und zukunftsfähig.

    Fazit

    Der Weg zu nachhaltigem Wachstum führt heute über Vertrauen, Transparenz und Verantwortung. Compliance ist kein Selbstzweck, sondern ein strategischer Baustein für erfolgreiche Unternehmen. Wer Datenschutz, IT-Sicherheit und KI-Governance von Anfang an in sein Geschäftsmodell integriert, spart langfristig Zeit, Kosten und Risiken und gewinnt das Vertrauen von Kund:innen, Partnern und Investor:innen.

    Startups, die rechtliche und ethische Standards als Teil ihrer DNA verstehen, schaffen nicht nur ein solides Fundament, sondern gestalten aktiv die digitale Zukunft Europas mit.

    Wenn Du Dir nicht sicher bist und rechtliche Unterstützung bei der Umsetzung brauchst, wende dich an uns.

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